Müsste ich die Tradition des huzulischen Weihnachtssingens in einem Wort beschreiben, würde ich sagen, dass es überirdisch ist. Wenn man es zum ersten Mal erlebt, kann man kaum glauben, dass es so etwas im 21. Jahrhundert noch gibt und dass diese Menschen tatsächlich Autos, Handys, Elektrizität und andere Dinge der modernen Zivilisation benutzen.
Als erstes sollte man erwähnen, dass das huzulische Weihnachtssingen nur von erwachsenen, verheirateten Männern durchgeführt wird; die Männer kündigen ihre Ankunft an, indem sie die Trembitas und Hörner blasen; die Weihnachtslieder sind sehr alt und sehr lang, und die Geige spielt die Begleitung dazu.
Das huzulische Weihnachtssingen dauert bis zu zwei Wochen: die Sänger machen so lange weiter, bis sie jedes Haus in ihrem Gebiet im Dorf besucht haben. Viele Familien laden die Sänger zum Essen ein, und somit kommt es nicht selten vor, dass das weihnachtliche Musizieren den ganzen Abend dauert und nahtlos in ein Fest übergeht. Vermutlich haben die Sänger deswegen oft ihre Instrumente dabei (zumindest eine Geige und ein Bayan). Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass die Huzulen mit dem Weihnachtssingen an Weihnachten (7. Januar) beginnen und manchmal bis zum 19. Januar (Epiphanias oder Feiertag zum Segnen des Wassers) unterwegs sind.
Leider stirbt dieser Brauch wie so viele andere Traditionen auch langsam aus.
A Hutsul Carol in Shepit, part 2